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Die hellenistische (Hellênes = Griechen) Epoche war erstmals vom Historiker Johann Gustav Droysen definiert worden und umfasst etwa die Zeit der Besteigung des makedonisch-griechischen Throns durch "Alexander den Großen" im Jahre 336 v.Chr., über die Entstehung der Diadochen-Staaten nach dem Tod von Alexander (323 v.Chr.) bis hin zu deren Zerfall bzw. Vernichtung durch das sich ausweitende römische Reich (30 v.Chr.).

In diesem Zeitraum fand eine massive Durchdringung des orientalischen Kulturraumes durch die antike griechische Kultur statt. Die griechische Kultur erlangte großen Einfluss in Kleinasien (der heutigen Türkei) und in vielen Ländern des Nahen Ostens. Die griechische Sprache Koine wurde Amtssprache im östlichen Mittelmeerraum und durch die große Ausdehnung des Reiches von "Alexander dem Großen" war diese Sprache in Südeuropa, in Syrien und in Palästina, ja sogar in Ägypten gebräuchlich. Auch die Schriften des "Neuen Testaments" sind in dieser Sprache verfasst.

Die Blütezeit dieser hellenistischen Epoche begann etwa 280 v.Chr. Philosophie, Mathematik und Kunst entwickelten sich stark. Die Formen der griechischen Architektur hatten Einfluss bis nach Ägypten. Zentren des Hellenismus in der heutigen Türkei waren Antiochia, Ephessus und Weitere. In Ägypten war es Alexandria und in Griechenland selbst Thessalonikie.

Als 395 n.Chr. das römische Reich in einen westlichen und einen östlichen Teil (Ostrom) aufgespalten wurde, wurde für den östlichen Teil nicht Latein, sondern Griechisch als Amtssprache weitergeführt. Auch im darauf folgenden byzantinischen Reich war Griechisch die Amtssprache und die kulturelle Tradition des Hellenismus setzte sich noch über Jahrhunderte fort.

Der Beginn

Die Ausbreitung der antiken griechischen Kultur (die s.g. Hellenisierung) folgte der Ausweitung des Reiches von "Alexander dem Großen". Auf diesem Weg wurde die griechische Kultur weit in den Osten, ja fast bis zum Indus und im Süden über Syrien und Palästina bis nach Ägypten getragen. Auch mit dem Tod von "Alexander dem Großen" hörte die Verbreitung der griechischen Kultur nicht auf, sondern sie verstärkte sich eher noch.

Alexander übernahm 336 v.Chr. den makedonisch-griechischen Thron von seinem Vater Philipp II. Zunächst festigte er seine Macht in Griechenland durch die Zerstörung von Theben, um dann auf dem schon von seinem Vater geplanten Feldzug, gegen die Perser vorzugehen. Das damalige Perserreich erstreckte sich über die Gebiete der heutigen Türkei und Ägyptens bis zum nordwestlichen Indien und dem heutigen Afganisthan.

Im Jahre 334 v.Chr. setzte Alexander in die heutige Türkei über und besiegte noch im gleichen Jahr die Perser in der Schlacht am türkischen Fluß Granikos und 333 v.Chr. in der Schlacht bei Issos in Kilikien. Alexander zog weiter nach Osten, eroberte Syrien und auch Ägypten, um dann in einer letzten Schlacht von Gaugamela 331 v.Chr. die Perser endgültig und vernichtend zu schlagen. Durch den darauf folgenden "Feldzug bis ans Ende der Welt", der ihn bis fast nach Indien führte, verlor er die Sympatien seiner griechischen Landsleute und das Ende der Alexanderfeldzüge war erreicht.


Das Reich von "Alexander dem Großen" am Ende seiner Feldzüge


Die Diadochen-Staaten

"Alexander der Große" verstarb im Juni 323 v.Chr. in Babylon an einer plötzlich auftretenden Fieberkrankheit und hinterließ ein Weltreich, ohne wirksame Regelungen für seine Nachfolge treffen zu können. Alexander's Generäle und Feldherren (die Diadochen) versuchten nur teilweise das Reich als Ganzes zu erhalten und waren schon kurz nach seinem Tod in kriegerische Auseinandersetzungen um territoriale Vorherrschaften verwickelt. In den folgenden 40 Jahren wurden von den Nachfolgern Alexanders insgesamt 6 s.g. Diadochen-Kriege ausgefochten.

Am Ende dieser Kriege bildeten sich aus der Hinterlassenschaft von "Alexander dem Großen" drei Dynastien, die ihre Machtansprüche endgültig durchsetzen konnten:

Die Antigoniden in Makedonien

Das alte Kernland des Reiches von Alexander ging mit Teilen von Griechenland an Antigonos I. Durch einen andauernden Streit mit verschiedenen Kleinstaaten und ein Bündnis mit Hannibal, zogen sich die Antigoniden die Feindschaft des römischen Reiches zu. 167 v.Chr. unterlag der letzte König "Perseus von Makedonien" den Römern. 148 v.Chr. wurden Makedonien und Griechenland westlich der Ägäis als Provinz dem römischen Reich angeschlossen.

Die Seleukiden in Kleinasien

Das Seleukiden-Reich wurde 312 v.Chr. durch Seleukos I. Nikator, einem der Feldherren von Alexander, begründet. Zu seinem Reich gehörten Syrien, Mesopotamien, Teile Persiens und Kleinasien. Obwohl sehr groß, wurde das Reich ständig von allen Seiten bedrängt. Schon schnell verlor es weite Gebiete z.B. an Rom, dass sich Kleinasien (die heutige Türkei) als Provinz Asia aneignete. Der letzte König, Antiochos XIII, wurde 64 v.Chr. vom römischen Feldherrn Pompeius vertrieben, und die Reste seines Reiches als Provinz Syria dem römische Reich hinzugefügt.

Die Ptolemäer in Ägypten

Ptolemäus I. Soter war Reiterführer und Freund von Alexander. Er eignete sich Ägypten an, ließ sich 305 v.Chr. zum König krönen und begründete so die Dynastie der Ptolemäer, die bis 30 v.Chr. über 15 Generationen ihr Reich regierten. Aus diesem Geschlecht ging schlußendlich auch Kleopatra hervor, die sich durch eine Allianz mit Cäsar zunächst ihre Machtstellung erhielt. Als Octavian, ein Nachfolger Cäsars, 30 v.Chr. Alexandria eroberte, beging sie Selbstmord. Damit endete dann die Dynastie der Ptolemäer und auch Ägypten fällt als letzter Diadochen-Staat als Provinz an das römische Reich.

Beachtenswert an der Aufteilung des Reiches von "Alexander dem Großen" waren aber folgende Besonderheiten:

Die jetzt türkischen Landstriche Lykien und Pamphylien gehörten nicht, wie zu erwarten, zum Seleukiden-Reich sondern zum Reich der Ptolemäer. Das Seleukiden-Reich erhob keine Ansprüche auf diese Gebiete; gleichzeitig hielt sich der politische Einfluß der Ptolemäer in diesem Bereich, allein schon wegen der Entfernung, in Grenzen, sodass in Lykien und Pamphylien eine weitgehend unabhängige politische Entwicklung einsetzen konnte.

Westlich von Lykien und Pamphylien liegt der jetzt türkische Landstrich Karien, der zum Seleukiden-Reich gehörte. Das eigendliche Zentrum des Seleukiden-Reiches lag aber in Persien, bzw. dem heutigen Syrien. Karien stellte somit für das Seleukiden-Reich den westlichstens und weitest entfernten Landstrich dar und war somit für das Seleukiden-Reich politisch schwer zu kontrollieren. Außerdem hatte das Seleukiden-Reich sich Angriffen zu erwehren (z.B. durch die Ptolemäer), die wesentlich näher am eigentlichen Kernland erfolgten und somit die Konzentration dort banden. Dies führte dann auch in Karien zu einer relativ unabhängigen politischen Entwicklung.


ehemalige antike Bezirke in der Türkei


Gleichzeitig bzw. zu Beginn der hellenistischen Epoche hatte das römische Reich wenig Interesse sich in Kleinasien zu engagieren. Man versprach sich keine politischen Vorteile und scheute auch den Aufwand, ein so großes Land, das zudem von Rom aus eigentlich nur über den Seeweg zu erreichen war, mit einer wirkungsvollen Verwaltungsstruktur zu versehen.

Während römische Politiker anfangs also eher zurückhaltend in Kleinasien agierten, war dieses Land für römische Händler und Kaufleute schon früh sehr interessant. Natürlich wurden auch Karien, Lykien, Pamphylien und alle anderen Landstriche der heutigen Türkei im Späteren zu römischen Provinzen, doch geschah dies nicht als Folge einer millitärischen Anektion, sondern das war in diesen Landstrichen eher ein langsamer stetiger Prozeß, der keinen kulturellen Bruch zur Folge hatte.

Diese politische Unabhängigkeit, aber auch die Tatsache, dass in Griechenland selbst eher Auseinandersetzungen zwischen den zerstrittenen Stadtstaaten als eine Weiterentwicklung von Politik, Kunst, Kultur und Wissenschaft auf der Tagesordnung stand, führte dazu, dass in den süd-westlichen Gebieten der heutigen Türkei die griechische Kultur besonders florierte. Philosophie, Mathematik, Architektur und andere Wissenschaften wurden in dieser Zeit entscheidend weiterentwickelt. Es wurden erstmal systematische medizinische Forschungen betrieben und die Bibliothek von Pergamon stand in Qualität und Quantität der von Alexandria nur wenig nach. Dichtung, Theater und Schauspiel erfreuten sich großer Beliebheit. Während vormals öffentliche Gebäude nur religiösen Zwecken dienten, wurden jetzt Theater, Schulen, Sportanlagen und andere Gebäude erbaut. Auch die Bekleidung und andere Dinge des täglichen Lebens wurden entscheident verbessert; der Lebenstandard stiegt rasch. In der öffentlichen Verwaltung wurde Städteräte geschaffen, die mit ihrem Mehrheitstimmrecht an eine frühe Form von Demokratie erinnert.

Sollte aufgrund der bisher gemachten Ausführungen diese griechische Gesellschaftsform als ein idealer Anfang im gleichberechtigten Zusammenleben von Menschen bezeichnet werden, so wurde vergessen, dass der weitaus grössere Teil der Menschen von den unbestreitbaren Vorzügen und Errungenschaften dieser Gesellschaft ausgeschlossen blieb. Wie viele Gesellschaften dieser Zeit stützt sich auch diese auf ein wirtschaftliches Fundament, dass nur durch Sklaven und Sklavenarbeit herzustellen und aufrecht zu erhalten war.

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